Fehlerkultur richtig gestalten: Mehr Wachstum durch den Umgang mit Fehlern


Fehlerkultur – ein Begriff, der oft mit Unsicherheit behaftet ist. Niemand gibt gerne Fehler zu, schon gar nicht im beruflichen Umfeld. Die Vorstellung, mit gesenktem Kopf vor dem Vorgesetzten zu stehen und zu erklären, dass Zeit, Geld oder Ideen verloren gegangen sind, fällt vielen schwer. Doch gerade darin liegt eine große Chance: In jeder Herausforderung steckt eine Lektion. In diesem Beitrag zeigen wir, was eine gesunde Fehlerkultur ausmacht, warum sie so entscheidend für Innovation und Wachstum ist – und wie Sie diese bewusst in Ihrem Unternehmen fördern können.

1. Was ist eine Fehlerkultur?

Das Thema Fehlerkultur ist ursprünglich in den Sozialwissenschaften beheimatet. Immer wichtiger wird die Fehlerkultur aber auch in den Wirtschaftswissenschaften und kann für Unternehmen durchaus eine wichtige Rolle spielen. Die Fehlerkultur beschreibt, wie Menschen, Gruppen – in unserem Fall Arbeitskollegen oder Vorgesetzte – mit Fehlern und deren daraus resultierenden Konsequenzen umgehen. Werden Fehler vertuscht oder werden sie offen zugegeben und das Fehlverhalten diskutiert, um daran zu wachsen? Besteht im Unternehmen überhaupt der Platz, um Fehler einzugestehen oder wird man dafür strengstens verurteilt mit der Kündigung als Folge? Die Fehlerkultur eines Unternehmens gibt dabei vieles über die Unternehmensphilosophie preis. Für Unternehmen ist es sogar manchmal durchaus lukrativ, gemachte Fehler einzugestehen und daraus zu lernen. Wer keine Fehler macht, der kann durch sein Handeln nicht lernen und wer nicht lernt, kann nicht fortschrittlich und innovativ denken. Seien Sie sich dessen beim nächsten Fehler, der Ihnen auf der Arbeit widerfährt, bewusst, und nutzen Sie ihn zum Vorteil Ihres Unternehmens, indem Sie eine positive Fehlerkultur prägen und ausleben.
In den USA gehören Fehler mittlerweile schon zum Firmenalltag. Sie werden in vielen Unternehmen als Lernmöglichkeit angesehen. Hat jemand etwas verbockt, so heißt das nur, dass diese Methode nicht die innovativste war und ein neuer Versuch gestartet werden muss. In der deutschen Wirtschaft werden Fehler noch etwas anders betrachtet, denn man versucht diese dringend zu vermeiden. Wenn doch Fehler entstehen, dann versucht man sie heimlich und still auszubügeln, aber ein Scheitern wird erst sehr spät und sehr ungerne zugegeben.

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2. Es ist ein Fehler, keine Fehler zu machen

Und es ist ein Fehler, seine Fehler nicht einzugestehen und daraus zu lernen. Es gibt kein Unternehmen, in dem nie etwas aus dem Ruder läuft. Wo Menschen arbeiten, da passieren Fehler, denn nichts ist menschlicher als Fehler zu machen. Und das ist auch gut so, denn Fehler bewirken Fortschritt. Nur wenn etwas schiefläuft, versucht man andere Wege einzuschlagen, um das gewünschte Ergebnis zu erreichen. So gehen Fehler und Fortschritt Hand in Hand. Würde in einem Unternehmen alles perfekt ablaufen, so gäbe es keinen Anlass, nach Innovationen zu streben. Deshalb sollten Sie jeden Fehler als Lernmöglichkeit auffassen, die Sie einen Schritt weiter in Richtung Innovation bringt. Nun klingt das fast so, als sollte man nur noch Fehler bei der Arbeit machen, um voranzukommen. Dem ist natürlich nicht so: Fehler sind immer unangenehm, kosten Zeit, Geld und Ressourcen. Daran ändert sich nichts. Doch Fehler passieren dort wo Menschen zusammenarbeiten. Sie passieren unabsichtlich und sind manchmal unvermeidbar. Wenn Fehler entstehen, sollte man aber positiv damit umgehen und daraus eine positive Fehlerkultur entstehen lassen. Was wäre die Alternative? Möchten Sie jeden, der einen Fehler begeht an den Pranger stellen? Nein! Man sollte lernen, wie man möglichst positiv mit Fehlern umgeht und etwas Gutes daraus schlussfolgern.

Eine agile Fehlerkultur beginnt damit den Fehler zu erkennen und endet mit der Veränderung von Verhalten und Umständen.
Eine agile Fehlerkultur beginnt damit den Fehler zu erkennen und endet mit der Veränderung von Verhalten und Umständen.

3. Der größte Fehler beim Umgang mit der Fehlerkultur

Ein klassisches Szenario: Der Chef betritt sichtlich angespannt den Besprechungsraum. Ein wichtiger Kunde ist abgesprungen. Alle Abteilungen sind versammelt – von der Logistik bis zum Vertrieb. Dann folgt der öffentliche Pranger: Einzelne Teammitglieder werden vor versammelter Runde für die Fehler der vergangenen Wochen zur Rechenschaft gezogen – inklusive Protokoll.

In solchen Unternehmen gilt ein unausgesprochenes Gesetz: Der Chef irrt nicht. Fehler machen andere – und die werden dafür zur Rechenschaft gezogen.
Das Problem: In einer solchen Kultur geht es nicht um Fehlervermeidung, sondern ums Überleben. Man lernt nicht, offen mit Problemen umzugehen – man lernt, sie zu verstecken. Es wird vertuscht, verschwiegen, gelogen. Nicht aus Böswilligkeit, sondern aus Angst.

Der Ausweg aus dieser Situation ist die Etablierung einer echten Fehlerkultur.
Nicht die Schuldfrage stellen, sondern die Systemfrage. Nicht: „Wer hat das verursacht?“, sondern: „Was hat dazu geführt?“ Nur so entsteht ein sicherer Raum, in dem Fehler nicht als Schwäche, sondern als Frühwarnsystem verstanden werden. Und genau das brauchen moderne Unternehmen, um sich weiterzuentwickeln.

Es ist kein Fehler, Fehler zu machen.
Es ist kein Fehler, Fehler zu machen.

4. Richtige Fehleranalyse hilft Fehler zu vermeiden

Auch wenn es an anderer Stelle bereits erwähnt wurde: Ohne eine genaue und systematische Analyse der wirklich zugrundeliegenden Ursachen eines Fehlers werden Sie niemals effektiv Fehler vermeiden können. Das folgende Beispiel führt Ihnen noch einmal deutlich vor Augen, warum dies so ist:

Fünf Mal „Warum?“ – ein Beispiel

Angenommen ein Verkaufsleiter begibt sich in das Besprechungszimmer, um dort einen Kunden zu empfangen, mit dem er sich verabredet hat. Der Kunde kommt aber nicht. Nachdem er 30 Minuten seiner kostbaren Zeit verschwendet hat, findet er heraus, dass das Treffen auf den nächsten Tag verschoben wurde. Der Kunde hatte ein entsprechendes Fax geschickt, das den Verkaufsleiter jedoch nicht erreichte.

Fragen Sie nun fünf Mal „Warum“:

  • Warum musste der Verkaufsleiter umsonst warten?
    Weil ihn das Kundenfax mit der Terminänderung nicht rechtzeitig erreichte.
  • Warum erreichte ihn das Kundenfax nicht rechtzeitig?
    Weil das Faxgerät nicht lief.
  • Warum lief das Faxgerät nicht?
    Weil der Toner alle war und kein neuer Toner da war.
  • Warum war kein neuer Toner da?
    Weil versäumt wurde, rechtzeitig neuen Toner zu bestellen.
  • Warum wurde versäumt, rechtzeitig Toner zu bestellen?
    Weil wir keine funktionierende Bestandssteuerung für Büromaterial im Unternehmen haben.

Die Lösung: Führen Sie das Kanban-Prinzip ein und so ein Fehler wird Ihnen nie wieder unterlaufen.

 

Aus Fehlern nicht zu lernen ist unverzeihlich.
Aus Fehlern nicht zu lernen ist unverzeihlich.

5. So etablieren Sie eine positive Fehlerkultur in Ihrem Unternehmen

Sorgen Sie dafür, dass in Ihrem Unternehmen die Fehler nicht aus Angst vor schlimmen Konsequenzen unter den Teppich gekehrt werden. Das bringt meist mehr Ärger mit sich, als einen Fehler schnell einzugestehen und gemeinsam zu beheben. Führungsverantwortliche und Personalbeauftragte spielen beim Etablieren einer positiven Fehlerkultur eine wichtige Rolle. Sie sorgen als Vorbild für die Vermittlung und Einhaltung der Grundsätze Ihrer Handhabung mit Fehlern. Diese drei Punkte helfen dabei eine positive Fehlerkultur in Ihrem Unternehmen zu festigen:

5.1 Seien Sie ein Vorbild: Leben Sie eine positive Fehlerkultur vor

Damit sich eine positive Fehlerkultur in Ihrem Unternehmen etablieren kann, sollten Sie, was das Machen und Eingestehen von Fehlern angeht, eine vertrauliche Basis schaffen. Nur wenn die Mitarbeiter Vertrauen zum Unternehmen fassen können, werden Fehler eingestanden und nicht vertuscht. Deshalb sollten auch Führungskräfte Fehler eingestehen, wenn sie passieren. Um Vertrauen zu schaffen, ist es förderlich, sich eher auf die daraus entstehenden Chancen zu konzentrieren als auf die negativen Folgen. Besprechen Sie mit Ihren Kollegen und Mitarbeitern die einzelnen Fälle. Diskutieren Sie vor einem neuen Projekt, was schief gehen könnte, wo kalkulierbare Risiken eingegangen werden können und stecken Sie gemeinsam einen Rahmen ab, in dem sich die Mitarbeiter ausprobieren und selbst verwirklichen können.

5.2 Ohne Tabu: Sprechen Sie über Fehler

Sprechen Sie offen über Fehler. Entweder unter vier Augen oder im Teammeeting sollten Sie Fehler offen ansprechen können. Nur wer über schief gelaufene Dinge spricht, kann daraus für das nächste Mal lernen. Vielleicht haben Ihre Kollegen auch interessante Vorschläge, um den Fehler zu beheben. So entstehen innovative Ideen. Wichtig dabei ist, dass Sie Ihren Mitarbeitern oder Kollegen nicht das Gefühl vermitteln, angeklagt zu werden. Suchen Sie keinen Sündenbock und machen Sie keine gemeinschaftlichen Vorwürfe. Sehen Sie den Fall eher aus Sicht eines Ermittlers, der den Ursachen auf den Grund geht und dann das Verhalten analysiert. Warum ist der Fehler passiert, warum hat der Mitarbeiter dann so oder so reagiert? Was könnte man von Grund auf anders gestalten, um einen Fehler dabei zu umgehen? Diskutieren Sie anschließend gemeinsam über verschiedene Lösungsansätze.

5.3 Etablieren Sie ein Fehlermanagement-System

Schaffen Sie einen neuen Umgang mit Fehlern in Ihrem Unternehmen. Bedenken Sie, dass das Machen und Eingestehen von Fehlern bisher sehr verpönt war. Denken Sie realistisch: Eine positive Fehlerkultur entwickelt sich nicht über Nacht. Gehen Sie daher schrittweise an die Etablierung eines positiven Fehlermanagements heran. Besprechen Sie mit Ihren Mitarbeitern und Kollegen gemeinschaftlich, wie in Zukunft mit Fehlern umgegangen werden soll und wie diese besprochen werden sollen. Entwickeln Sie gemeinschaftlich ein Konzept zum Umgang mit Fehlern und achten Sie darauf, dass dieses Konzept auch eingehalten und umgesetzt wird.

6. Do’s & Dont’s im Umgang mit der Fehlerkultur

Wenn ein Fehler gemacht wird, gibt es zwei Wege, wie Sie damit umgehen können. Entweder Sie erkennen den Fehler und sehen diesen ein. Wird der Fehler ignoriert, kann es schnell zu weiteren Problemen kommen und am Ende wird nicht aus den Fehlern gelernt. Hier sehen Sie alle Do’s und Dont’s im Umgang mit der Fehlerkultur und wie sie aufeinander aufbauen:

Do’s ✅

Dont’s ❌

  • Fehler erkennen & einsehen
  • Konstruktives Feedback
  • Erkenntnis & Weiterentwicklung
  • Neuer Versuch
  • Positives Feedback
  • Lernen
  • Fehler ignorieren
  • Kritik äußern
  • Fehler vertuschen
  • Neuer Versuch sinnvoll?
  • Negatives Feedback
  • Kein Lernen

7. Fazit: Das Wichtigste auf einen Blick

Eine echte Fehlerkultur zu etablieren bedeutet, Fehler nicht als Schwäche, sondern als Chance zu begreifen. Wer bereit ist, aus Fehlern zu lernen, schafft Raum für Innovationen, stärkt das Miteinander im Team und verbessert langfristig Prozesse. Denn nur in einem offenen und angstfreien Arbeitsumfeld können Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ehrlich kommunizieren, Verantwortung übernehmen und gemeinsam wachsen. Unternehmen, die diesen Kulturwandel ernst nehmen, schaffen nicht nur Vertrauen – sie sichern auch ihre Zukunftsfähigkeit.
Damit eine solche Fehlerkultur tatsächlich gelebt werden kann, sind drei Schritte besonders wichtig:

  1. Offene Kommunikation: Fehler dürfen nicht unter den Teppich gekehrt, sondern müssen transparent besprochen werden. Nur so können Lösungen gefunden und Wiederholungen vermieden werden.
  2. Fehlermanagementsysteme: Strukturierte Prozesse helfen, Fehler systematisch zu erfassen, zu analysieren und konkrete Maßnahmen abzuleiten – das steigert die Effizienz nachhaltig.
  3. Klare Do’s & Don’ts: Richtlinien und gemeinsame Grundsätze im Umgang mit Fehlern geben Orientierung und fördern ein respektvolles und konstruktives Miteinander.

Wer Fehler als Lernchance begreift, legt den Grundstein für kontinuierliche Verbesserung, mehr Innovationskraft und eine gesunde Unternehmenskultur.



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